image3841.jpg

NIN 2010

0100-lamp1.png
Am 1. Januar 2010 ist die neue Niederspannungsinstallationsnorm NIN SEV 1000:2010 in Kraft getreten.

Wir haben die wichtigsten Neuerungen gegenüber der alten Norm NIN SEV 1000:2005 zusammengestellt und aufgeführt.



4 Schutzmassnahmen
4.1 Schutz gegen elektrischen Schlag
4.1.1.3.2 Automatische Abschaltung im Fehlerfall
Für alle Endstromkreise bis und mit 32 A gilt eine Abschaltzeit von max. 0.4 s, alle übrigen Stromkreise max. 5 s
Zudem ist bei allen freizügig verwendbaren Steckvorrichtungen bis und mit 32 A eine Fehlerstromschutzeinrichtung RCD 30 mA erforderlich. (z.B. eine Steckdose für den Geschirrspüler die im Bereich des Abfallbehälters installiert ist gilt als freizügig verwendbar.) siehe auch SEV Info 2076

4.2 Schutz gegen thermische Einflüsse
4.2.2.2 Anordnung und Montage von Schaltgerätekombinationen SK hinsichtlich Brandgefahr

Neu wurden Zeichnungen integriert die die Problematik veranschaulichen. Der Artikel wurde neu in 4.2 aufgenommen. (NIN 2005 Artikel 5.3.9.9)

4.2.2.3 Anordnung und Montage von Schaltgerätekombinationen SK hinsichtlich Fluchtweg
Neu wurden Zeichnungen integriert, die die Problematik veranschaulichen. Der Artikel wurde neu in 4.2 aufgenommen. (NIN 2005 Artikel 5.3.9.9)

5.1 Allgemeine Bestimmungen
5.1.2 Betriebsbedingungen und äussere Einflüsse

5.1.2.1.2.2 Steckdosen
Für ortsfest montierte Steckdosen mit einem Bemessungsstrom von 10 A darf der vorgeschaltene Überstromunterbrecher max. folgende Werte betragen:
  • 10 A bei Schmelzsicherungen
  • 13 A bei Leitungsschutzschaltern

5.1.2.1.2.3 Schalter
Grundsätzlich soll der Bemessungsstrom eines Schalters dem Bemessungsstrom der vorgeschaltenen Überstromschutzeinrichtung entsprechen. Ist die dem Schalter nachgeschaltete Last bekannt und max. 10 A, darf der Bemessungsstrom der vorgeschalteten Überstromschutzeinrichtung 16 A betragen auch wenn der Bemessungsstrom des Schalters nur 10 A beträgt.

5.1.2.1.7 Basisschutz bei Steckvorrichtungen
An folgenden Orten dürfen nur Steckvorrichtungen mit Schutzkragen (T 13/T 23) verwendet werden, in die sich nur Stecker mit Schutzkontakt und Stecker zu Leitungen für Geräte mit Sonderisolierung (Schutzklasse II) einführen lassen:
  • in feuchten, nassen und korrosionsgefährdeten Räumen
  • in Arbeitsbereichen von Haushaltsküchen
  • in Werkstätten und anderen Arbeitsstätten (z.B. Werkstatt, Büro usw.)
  • im Freien

Die Sidos-Steckdose (Kombinierte Steckdose mit 10 mA RCD) anstelle von Steckdose mit Schutzkragen ist somit nicht mehr zulässig.

Teilisolierte Steckerstifte an Stecker Typ 11 und Typ 12 sind ab 31.12.2012 obligatorisch!

Anmerkung:
Nach dem 31. Dezember 2016 dürfen Steckdosen ohne Schutzkragen (T 12) nicht mehr in Verkehr gebracht werden.
Wir empfehlen Ihnen schon Heute nur noch Steckdosen mit Schutzkragen zu verwenden!

5.1.4.3 Kennzeichnung der Leiter
5.1.4.3.1.1 Neutralleiter
Neutralleiter müssen durch die Farbe Blau über ihre gesamte Länge gekennzeichnet sein.

Anmerkung:
Bei Kabel mit numerisch gekennzeichneten Leitern ohne blaue Leiter ist jener Leiter mit der tiefsten Nummer als Neutralleiter zu verwenden. Dieser ist zusätzlich an den Enden blau zu kennzeichnen.

5.1.4.3.1.2 Schutzleiter
Schutzleiter müssen durch die Zwei-Farben-Kombination grün-gelb gekennzeichnet sein. Diese Farbkombination darf für keinen anderen Zweck verwendet werden.

5.1.4.3.2 PEN-Leiter
PEN-Leiter müssen, wenn sie isoliert sind, grün-gelb über die ganze Länge und zusätzlich mit blauer Markierung an den Leiterenden gekennzeichnet sein.

5.1.4.3.4 Kennzeichnung von Adern in mehradrigen Kabeln/Leitungen und in flexiblen Leitungen
Kabel mit 2 bis 5 Adern gemäss HD 308: braun, schwarz, grau, blau, grün-gelb auf ihrer gesamten Länge.
Kabel mit mehr als 5 Adern und numerischen Zeichen, Neutralleiter tiefste Ziffer und an den Enden Blau, Schutzleiter gelb-grün.

5.1.4.3.5 Kennzeichnung von einadrigen Kabeln/Leitungen ab einem Querschnitt von 25 mm2
Einadrige Kabel welche nicht in grün-gelber oder blauer Isolierung erhältlich sind, dürfen dieselbe Farbe aufweisen, wenn alle Leiterenden der N-, PE- und PEN-Leiter eine entsprechende Markierung aufweisen.

Anmerkung:
Die Einzelfarben Grün, Hellgrün und Gelb dürfen nicht mehr verwendet werden! Siehe SEV Info 2066a
Die Einzelfarben Rot und Weiss dürfen bei Neuinstallationen als Lampendrähte und korrespondierende Leiterverbindungen für Lichtschaltungen verwendet werden. Diese Anpassung wird nicht in der NIN 2010 erwähnt. Diese Farben sind jedoch gemäss Electrosuisse ohne Probleme einsetzbar.

5.3 Einrichtungen zum Trennen, Schalten, Steuern und Überwachen
5.3.1.3 Fehlerstromschutzeinrichtungen (RCD)

5.3.1.3.1 Allgemeines
Die Art des Fehlerstroms hat Einfluss auf die Funktion von RCD's. Aus diesem Grund wird zwischen den folgenden Typen unterschieden:
  • Typ AC zum Schutz bei sinusförmigen Wechselfehlerströmen. Diese dürfen in der Schweiz nicht eingesetzt werden!
  • Typ A zum Schutz bei sinusförmigen Wechselfehlerströmen und pulsierenden Gleichfehlerströmen.
  • Typ B zum Schutz bei sinusförmigen Wechselfehlerströmen, pulsierenden Gleichfehlerströmen und glatten Gleichfehlerströmen in Wechselspannungsnetzen.

Anmerkung:
Selektivität beachten! RCD's Typ A dürfen RCD's Typ B und umgekehrt nicht vorgeschaltet werden.

5.3.4.2 Auswahl und Errichtung von Überspannungsschutzeinrichtungen (SPD's)
Dieser und weitere Artikel wurden neu aufgenommen

5.3.9 Schaltgerätekombinationen SK
5.3.9.7.8.3 Verdrahtung
Im Allgemeinen sollte an einer Klemme nur ein Leiter angeschlossen werden. Das Anschliessen von mehr Leitern ist nur zulässig, wenn die Klemmen für diesen Zweck vorgesehen sind.
Wir empfehlen ganz klar den Anschluss von mehr als einem Leiter pro Klemme zu unterlassen!

Anmerkung:
Montage von SK in Fluchtwegen (VKF)
  • Schutzkasten El 30 mit Türen El 30
  • Brennbare Schutzkästen nichtbrennbar und wärmeisolierend auskleiden (gilt auch beim Ersatz oder Änderung bestehender SK)
  • Nur Kabel für Verbraucher im Fluchtweg zulässig, für andere Kabel Schottung El 30 erforderlich

Montage von SK gegen brennbare Gebäudeteile und Türen
  • Ausführung in geschlossenem nicht- oder schwerbrennbarem Kasten oder mit nichtbrennbarer und wärmeisolierender Verkleidung (El 30)
  • SK die in einem geschlossenen nichtbrennbarem (BKZ 6q oder 6) oder schwerbrennbarem (BKZ 5) (El 30) Kasten eingebaut sind, dürfen auf oder in brennbare Gebäudeteile montiert werden.

5.4 Erdung und Schutzleiter

5.4.2.2 Erder
Die Querschnitte für Cu und Fe wurden neu festgelegt.

5.4.2.2.9 Bestehende Gebäude

In bestehenden Gebäuden mit bewehrten Fundamenten, deren Bewehrungsstähle einen Durchmesser von min. 8mm aufweisen, dürfen diese als Erder verwendet werden. In diesem Falle sind für den Anschluss des Erdungsleiters an der Aussenwand möglichst nahe am Boden an einer Stelle zwei vertikale Bewehrungsstähle freizulegen. Durch eine geeignete Messung ist die niederohmige Verbindung zwischen den angeschlossenen Bewehrungsstählen und der Bewehrung im Fundament sicherzustellen. Die Anschlussstellen sind so zu verschliessen, dass Beschädigungen durch Korrosion nicht entstehen können.

5.4.3.2.3 Folgende Metallteile dürfen als Schutzleiter oder Schutz-Potentialleiter nicht verwendet werden

  • Rohre die brennbare Gase oder Flüssigkeiten enthalten
  • Konstruktionsteile, die im normalen Betrieb mechanischen Beanspruchungen ausgesetzt sind
  • flexible oder bewegliche Elektroinstallationsrohre aus Metall, es sei denn sie sind für diesen Zweck hergestellt
  • flexible Metallteile
  • Spanndrähte oder Tragseile
  • Kabelwannen und Kablelpritschen (diese sind gemäss NIN 4.1.1.3.1.2 in den Schutz-Potentialausgleich einzubeziehen)


6 Prüfungen
6.1.3.3 Isolationsmessung

Bemessungsspannung
Messgleichspannung
Isolationswiderstand
SELV und PELV 250 V min. 0.5 MOhm
50-500 V
500 V
min. 1.0 MOhm
>500 V
1000 V
min. 1.0 MOhm


6.C.4 Kurzschlussstrommessung mit Berücksichtigung der Leitungserwärmung
IK min. = Messwert x 0.66. Dieser Korrekturfaktor von 1.5 ist nur bei ungenauen Messgeräten notwendig!

Anmerkung Profi Tipp:
Der Korrekturfaktor von 30% bedeutet IK min. = Gemessener IK x 0.77 oder Sollwert x 1.3.
Z.B. Sollwert eines LSC 13 A nach NIN 2005 = 13 A x 10 = 130 A
Sollwert eines LSC 13 A nach NIN 2010 = 13 A x 10 x 1.3 = 170 A, wenn gemessener Wert > 170 A Anlage i.O.

Diese Formel gilt unter folgenden Bedingungen: Messgerätefehler < 5%, Impedanzmessung und kompensierte Messleitungen.
Für Kurzschlussberechnungen sind keine Korrekturen notwendig.

Bei RCD ist die Messung von IK min. L-PE nicht erforderlich!

6.D Spannungsfall
Die Einhaltung des Spannungsfall max. 4% überprüfen.

7 Zusatzbestimmungen für Räume, Bereiche und Anlagen besonderer Art
7.01 Räume mit Badewanne oder Dusche

7.0.1.3.0.1 a) Bereich 1
min. 2.25 m, aber höher als festangebrachter Wasseraustritt ab Fertigfussboden.

7.02 Schwimmbecken und Springbrunnen
Neue Bestimmungen gelten auch für Teiche und Springbrunnen

7.05 Elektrische Anlagen von landwirtschaftlichen und gartenbaulichen Betriebsstätten
Neue Bestimmungen gelten auch für Gärtnereien

7.05.4.1.1.43 System TN
In landwirtschaftlichen oder gartenbaulichen Betriebsstätten ist die elektrische Installation ab Anschlussüberstromunterbrecher als System TN-S auszuführen. Dies gilt auch für Wohnungen und andere Räumlichkeiten die zu den landwirtschaftlichen oder gartenbaulichen Betriebstätten gehören.

7.05.5.1.3.1 Zugänglichkeit für Nutztiere
Elektrische Betriebsmittel dürfen für Nutztiere nicht zugänglich sein.

7.11 Ausstellungen, Shows und Stände
7.11.4.8 Auswahl von Schutzmassnahmen als Funktion äusserer Einflüsse
Leitungen die zur Versorgung von temporären Aufbauten vorgesehen sind, sollten an ihrem Speisepunkt durch eine selektive Fehlerstromschutzeinrichtung mit einem Bemessungsdifferenzstrom IN 300 mA geschützt sein.

7.15 Kleinspannungsbeleuchtungsanlagen
Dieses Kapitel wurde neu hinzugefügt.


Zudem wurden diverse Begriffe neu bezeichnet.